SPIRITUALITÄT
Der Begriff stammt in seiner neuen Prägung aus der dominikanischen Ordenstheologie Frankreichs. Er wurden in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts von Jacques Delor gebraucht. Er sprach von der „spiritualitè de l`Europe“, die zu entwickeln sei. Die Bewegung, die diesem Begriff zu Eigen ist, lässt sich umschreiben „Geist wird Leib“, „Geist wird Lebensgestalt“, „Geist wird Tat“. Im Kern zielt Spiritualität darauf, das Religion im Leben Gestalt gewinnt und eingeübt wird. Spiritualität hat mit Einübung, ja mit Leibesübung zu tun, mit Sitzen, und Stehen, mit Atmen und Gehen. Sie hat mit Ritualen zu tun, die helfen der verborgenen Seite der Wirklichkeit inne zu werden. Seit dem hat der Begriff viele Deutungen und Wandlungen erfahren. Spiritualität in unserem Sinne ist eine besondere religiöse Lebenseinstellung, die sich auf das All-Eine, das umgreifende eine Sein bezieht. Wir verstehen uns in der Tradition der Schöpfungs- und Geschöpfspiritualität des Franz v. Assisi wie der mystischen Strömung beider Großkirchen.
Die Spiritualität des Franziskanums hat zwei Dimensionen. Die erste Dimension ist eher „entwicklungsorientiert“, d. h. hier trägt die Entwicklung einer Person den Akzent. Es gilt die jeweiligen Entwicklungsmöglichkeiten des Ich zu fördern und zu aktivieren in Begegnung und Erfahrung mit den geistlichen und persönlichkeitsentwickelnden Angeboten. Wir dürfen uns zu dem entwickeln wie Gott uns gedacht hat, da wir seine Geschöpfe sind, von Gott ausgestattet mit Gaben und Talenten, mit Leib und Seele, Gedanken und Phantasie, Gefühlen und Hoffnungen. Zum Geschöpfsein gehört als gute Gabe die Möglichkeit eines Wachsens, eines ständigen innerweltlichen Transzendierens.
Entwicklungsorientierte Spiritualität gehört sozusagen in den Bereich der Ethik, der Heiligung und nicht der Rechtfertigung.
Darüber hinaus ist die zweite spirituelle Dimension „beziehungsorientiert“, d. h. hier geht es um den Eintritt und das Wachsen einer Beziehung zwischen dem Menschen und Gott, zwischen Geschöpf und Schöpfer. Spiritualität ist in unserem Verständnis Resonanz auf Gott.
Spiritualität gibt es nicht, ohne das sie in der „praxis pietatis“ geübt wird. Der „Sitz im täglichen Leben“ ist bei der christlichen Beziehungsspiritualität das Gebet, einmal als gesprochenes Wort, aber auch das Gebet der Stille als Formen der Meditation und Kontemplation. Das Hören in der Stille auf Gott (Beziehung) und die dann daraus folgende Umstimmung im Leben (Entwicklung )beschreibt die Durchdringung der beiden Dimensionen von Entwicklungs- und Beziehungsspiritualität. So sind unsere Seminare, Lebensführungs- und Leitungskurse sprich alle unsere Bildungsangebote wie auch unsere Gottesdienste und unsere geistlichen Aktivitäten von diesem „sowohl als auch“ durchdrungen.
Aus der Erfahrung der Beziehung zu Gott geschieht Wachstum, Reifung und ein gesegnetes Leben. Ziel dieser beiden Dimensionen von Spiritualität, der wir uns im Franziskanum verschrieben haben ist ...das Leben gelingt!
